Abschuss eines Bombenflugzeuges am 10.04.1945

Einleitung

Auch wenn die Stadt Delitzsch während des 2. Weltkrieges niemals einem direkten Bombenangriff der Alliierten ausgesetzt war, gingen diese Angriffe doch nicht spurlos an den Einwohnern vorbei. So wurde in dem Zeitraum vom 13. August 1940 bis zum 14. April 1945 für das Gebiet um Delitzsch etwa 220 Mal der Luftalarm ausgelöst. Meist überflogen die Bomberströme der englischen Royal Air Force und die amerikanische Luftflotte den Raum über Delitzsch, um dann hauptsächlich Städte wie Leipzig und Berlin anzugreifen. Allerdings wurde durch einzeln abgeworfene Bomben und Sprengmittel materieller Schaden angerichtet. Bei ihren Angriffen verloren die Alliierten viele Bomber, die durch FLAK oder deutsche Jagdflieger abgeschossen wurden. Der Abschuss einer dieser Bomber in der Nähe von Zaasch ist der Anlass für diesen Beitrag.

Die Thematik der Bombardierung deutscher Städte durch die Alliierten im Zweiten Weltkrieg ist bis heute ein umstrittenes Problem. Die Rechtfertigung, dass diese Bombardements entscheidend dazu beitrugen, den Krieg schneller zu beenden, um weiteres Leid zu verhindern, entsprach sicher nicht den Tatsachen. Denn kriegsentscheidend war dieser Terror (von den Briten als "Moral Bombing" bezeichnet) nachweisbar nicht; er hat den Kriegsverlauf noch nicht einmal nennenswert beeinflusst. Er erzeugte lediglich grenzenlosen Hass, der den unsäglichen Krieg noch verschärfte. Nüchtern und objektiv betrachtet kommt man nicht umhin festzustellen, dass der alliierte Bombenterror auf deutsche Städte, und damit auf wehrlose Kinder, Frauen und Alte, moralisch verwerflich und vielleicht sogar ein Kriegsverbrechen war. Andererseits darf man aber auch nicht aus den Augen verlieren, dass deutsche Bomber als erste den Terror gegen die Zivilbevölkerung des Feindes entfacht haben: Guernica im spanischen Bürgerkrieg, Warschau, Rotterdam und Coventry sollen hier als Beispiele genannt werden. Insgesamt warfen alliierte Bomber 1.996.036 Tonnen Bomben auf Deutschland ab. Im Vergleich dazu warfen die deutschen Bomber "nur" 71.172 Tonnen Bomben ab. Das heißt, die Alliierten setzten die 28fache Menge an Bomben ein, von denen 55,8 % vorsätzlich auf Städte und nichtmilitärische Ziele fielen.

Der vorliegende Beitrag hat nicht die Aufgabe, zu klären, ob die Luftangriffe der Engländer auf Deutschland während des Zweiten Weltkrieges und die systematische Zerstörung deutscher Städte trotz aller von Deutschen begangenen Verbrechen berechtigt waren. Es geht lediglich um die Dokumentation eines vergleichsweise kleinen Ereignisses in unserer Delitzscher Heimatgeschichte: den Abschuss eines Bombers der Royal Air Force im Landkreis Delitzsch, wenige Tage vor Ende des Krieges. Die jungen Menschen, die hierbei ihr Leben ließen, waren ebenso wenig schuldig an diesem Krieg, wie die vielen Zivilisten, die bei Luftangriffen völlig unbeteiligt einen grauenhaften Tod starben.